Warum Röntgen und MRI häufig nicht notwendig sind

Aktualisiert: 30. März 2019


Wenn ein Gelenk schmerzt, ist der Alltag schnell beeinträchtigt. Beim Arztbesuch wird häufig gleich eine Bildgebung wie Röntgen oder MRI veranlasst. Doch ist das in jedem Fall sinnvoll? Nützt die daraus gewonnene Erkenntnis oder kann sie sogar schaden?


Wenn eine Bildgebung gemacht wird, finden sich sehr häufig Veränderungen zu der anatomischen Norm. Im Rücken wird häufig Abnutzung in den Bandscheiben und den Fazettengelenken gefunden. In Sehnen werden Einrisse und Entzündungen gefunden, in Gelenken sieht man Zeichen einer Arthrose. Dies führt bei Patienten häufig zu Angst und Sorge. Teilweise beginnen Patienten aufgrund dieser Sorgen sich übermassig zu schonen. Sie entwickeln Vermeidungsstrategien von Bewegungen, weil sie denken, dass diese die Abnutzung verschlimmern. Dies geht oft einher mit übertriebenen Sorgen zur gesundheitlichen Zukunft oder kann das Erleben des Schmerz sogar noch verstärken. Dies führt Studien zufolge zu einer schlechteren Genesungsprognose.

Doch sind diese gefundenen Abweichungen in der Bildgebung immer relevant? Die Forschung deutet darauf hin, dass dem nicht so ist. Diverse Studien an beschwerdefreien Menschen zeigen, dass Abnützungen in den Bandscheiben, Sehnen und Gelenken ganz normal ist. Dies sind Zeichen der Nutzung und des Alterungsprozesses unseres Körpers. Studien fanden, dass um die 80% der untersuchten Menschen ohne Rückenbeschwerden Abnutzungen in den Bandscheiben aufweisen. Sogar ein Viertel beschwerdefreier Menschen in den Zwanzigern weisen schon Veränderungen in den Bandscheiben auf. Mit 40 Jahren findet man bei ca. 50% der untersuchten Menschen ohne jegliche Beschwerden Bandscheibenvorwölbungen. Auch wurde kein klarer Zusammenhang zwischen Arthrosezeichen, Einrissen in Sehnen oder Bandscheibenvorwölbungen mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen gefunden. Das heisst, ein negativer Befund in der diagnostischen Aufnahme muss nicht mit Schmerzen einhergehen. Man geht davon aus, dass Prozesse, welche das Nervensystem empfindlicher machen, Schmerzen auslösen. Das heisst, man kann jahrelang eine Kniearthrose haben, welche keinerlei Probleme macht. Eines Tages kann unter Umständen eine temporäre Überbelastung oder ein harmloses Knieverdrehen diese Arthrose in einen Reizzustand versetzen. Die Schmerzen beginnen. Lassen sich diese Schmerzen jedoch mit konservativer Therapie wieder reduzieren oder wegtrainieren, ist ein Röntgen hier gar nicht sinnvoll. Es könnte nämlich dazuführen, dass unnötigerweise schon invasive Therapien wie Infiltrationen oder Operationen vorgeschlagen werden.


Natürlich gibt es auch gute Gründe, welche für Bildgebungen sprechen. Zum Beispiel bei Unfällen müssen schwerwiegende Verletzungen wie komplette Sehnenrisse oder Brüche ausgeschlossen werden. Ebenfalls bei Zeichen gefährlicher Krankheitszustände wie Lähmungserscheinungen, zunehmend unaushaltbare Schmerzen oder Anzeichen von Tumoren und Brüchen sind Bildgebungen zwingend notwenig für eine korrekte Diagnose und Therapie. Dies ist jedoch eher die Ausnahme, als die Regel. Daher kann in vielen Fällen mit dem Röntgen oder dem MRI gewartet werden, bis die konservative Therapie keinen Erfolg bringt oder die Situation sich drastisch verschlechtert.


Für die Physiotherapie ist die Erkenntnis aus den Bildern häufig zweitrangig, da sich die Therapie an dem Beschwerdebild des Patienten orientiert. In der physiotherapeutischen Behandlung werden Symptome und klinische Zeichen wie Beweglichkeit, Muskelfunktion und Einschränkungen der Funktion im Alltag als Hauptleitlinie der Therapie genutzt. Für die Physiotherapie ist es primär weniger wichtig wie gross die Bandscheibenvorwölbung oder die Arthrose ist, sondern wie stark die Einschränkung für den Patienten ist. Auch wird in der Befundaufnahme auf Zeichen einer schwerwiegende Problematik geachtet und im Zweifelsfall wird der Patient zurück zum Arzt geschickt für eine Bildgebung. Sind keine solche Zeichen vorhanden, ist eine Röntgen- oder MRI-Aufnahme jedoch nicht zwingend nötig. Die Physiotherapie kann auch so begonnen werden.

Falls Du selbst unter Schmerzen leidest, helfen wir Dir gerne dabei sie loszuwerden bei uns in der Physiotherapie im radiuszwei physiotherapie & pilates im Zentrum von Oberwil.

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